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Syrien

Genau hier nahm unsere Begeisterung für den Orient seinen Lauf. Und eben genau mit jener Kontaktadresse in Damaskus, die wir von Freunden bekommen haben.

Zu Überlegen gab es eigentlich nicht so viel. Wie funktioniert das mit den Visa für ein islamisches Land? Wie kann man das Hindernis nichts lesen zu können überwinden? Und wie funktioniert der Gang aufs Klo? Nach unserem ersten Schritt in den Orient entlocken uns jetzt all die Fragen, die am Anfang so schwierig zu beantworten waren nicht einmal mehr ein leichtes runzeln der Stirnfalten. Ein wenig schmökern in der allgemeinen Reiseliteratur zu Syrien, ein wenig mit den Geschichten von Rafik Schami dem Schreiber aus Damaskus träumen, und schon können die größten Unsicherheiten beiseite geräumt werden.

Der erste Tag in Damaskus nahm am Flughafen, mit leidenschaftlichen Verhandlungen über den Fahrpreis in die Stadt seinen Lauf. Natürlich kamen uns sofort einige Syrer zur Hilfe, wie immer, wenn man in Syrien auf Probleme stößt. Das soll nicht heißen dass es in Syrien Probleme für Touristen gibt, das heißt lediglich, dass in Syrien die Menschen unglaublich hilfsbereit, offen und freundlich sind. In der Stadt angekommen durften wir diese Erfahrung erneut machen, als wir spontan in einer Gasse von einer Familie zum Kaffee und Abendessen hereingebeten wurden. Eigentlich wollten wir ja zu Gibran dem Brettspielmacher. Nach einer weile im Gespräch vertieft, das wir mit Händen und Füßen führten kamen immer mehr Mitglieder der Familie zusammen, und es fand sich schließlich jemand der englisch konnte. Natürlich ist Gibran bei unseren neu gewonnen Freunden bekannt, und so wurden wir ein wenig später durch die kleinen Gassen von Damaskus zu unserem eigentlichen Ziel geführt Bild anzeigen.

Begeistert von der Handwerkskunst und den Märkten stürzten wir uns neugierig am nächsten Tag in Menge. Damaskus katapultiert einem direkt in den Bann alter Zeiten. Es gibt unterirdische Kirchen, enge Gassen, wunderschöne Innenhöfe mit Springbrunnen, Teehäuser in denen geraucht und Backgammon gespielt wird und das neue Damaskus, mit seinen modernen shopping mals. Der Suq riecht nach Kardamon, Gewürzen und nach altem Fleisch. Esel oder hupende Autos versuchen sich durch die Massen von Menschen zu drängen. Kesselhauer, die aus alten Blechen Schalen treiben lassen die Geräuschkulisse noch lauter tönen. Doch es finden sich auch ruhige Plätzchen, wo man in Ruhe ohne sofort angesprochen zu werden sein Wasserpfeife rauchen, seinen Tee trinken und eine Partie Backgammon spielen kann Bild anzeigen. So verbringen wir Stunden reden mit Händen und Füßen, erfahren Lebenstragödien von Händlern, unterhalten uns über Politik oder, und das war sehr überraschend, über das Habsburgerreich. Ein weiteres Highlight ist die große Omajadenmoschee Bild anzeigen, mit ihrem riesigen Platz im Zentrum. Das Eingansportal ist sogar noch von alten römischen Säulen umsäumt.

 

Nach diesen tollen ersten Tagen verlassen wir auch schon wieder die Stadt Richtung Palmyra. Die ersten Schwierigkeiten den richtigen Bus zu finden wurden wieder mit Hilfe der neugierigen Menschen schnell gelöst. Es ist beeindruckend, was die Römer da hinterlassen haben. Nach einem Tag in den Ruinen und GräbernBild anzeigen von Palmyra finden wir etwas Entspannung in einem kleinen Hotel, und wir verbringen den Abend typisch syrisch, mit Backgammon spielen.

In Palmyra haben wir 2 Grundlegende Dinge gelernt. Erstens: Spiele nie gegen einen alten Syrer Backgammon und denk man kann gewinnen, und zweitens: Gehe niemals ohne Sonnenblocker durch die Ruinen von Palmyra.

 

Von Palmyra nach Aleppo Bild anzeigen sind es nicht allzu viele Kilometer. Unterwegs in einem Jeep besuchen wir die Glasstadt Al Rusaffa. Die ehemalige byzantinische Festung ist noch ziemlich gut erhalten und wenn man Glück hat, findet man noch farbige Tonscherben. An solchen Orten muss man aufpassen, dass der Hobbyarchäologe in einem nicht ausbricht und die Hände schon zu Graben beginnen. Von hier aus ging es Weiter zum Wüstenschloss Qasr Alhair ash-Sharqi Bild anzeigen. Die Zitadelle hat ein mächtiges Eingangsportal. Und steht schon ewig lange in der Wüste. In der Prallen Sonne, mit Blick in eine endlose Landschaft kann man fast vergessen, das wir bereits im 20. Jahrhundert leben.

 

In Aleppo haben wir hauptsächlich mit Angies Durchfall zu kämpfen. Da nutzten ihr selbst die besten Falafeln der Welt nichts, die es bei unserem kleinen Hotel direkt um die Ecke gibt. Ein Tipp der Einheimischen: Gekochte warme Kartoffel mit Schale essen. Das hat auch wirklich geholfen. Nachdem das gröbste überstanden ist, trauen wir uns ins alte Hamam gleich bei der großen Burganlage Bild anzeigen. Traditionell getrennt natürlich. Angie beschreibt tanzende Frauen mit langen schwarzen Haaren……

 

„Anfangs ist einem alles unklar. Man bekommt ein Tuch mit dem man sich einwickelt, doch soll man sich entblößen? Die Unterhose anlassen oder muss man sie doch ausziehen? Wo muss man hingehen? Als erstens sitzt man in einem Dampfbad, dann wird man mit Olivenseife von einer dicken moslemischen Mama geschruppt und zuletzt bekommt man noch eine kurze Massage. Dann kann man sich am Schluss in einem prächtigen Saal auf gepolsterten Bänken ausruhen, Tee trinken und den moslemischen Frauen zu schauen, die tanzend oder lachend sich im Raum aufhalten. Sie zeigten auch ihre Haarpracht, die normalerweise unter der Verschleierung versteckt ist, die bei ein paar Frauen bis zur Kniekehle reichte.“

 

Ich kann „lediglich“ neben dem Reinigungs- und Massageritual von einem gepflegten Männertreff bei Tee und Wasserpfeife sprechen. Das Erlebnis ist für jeden ein Muss.

 

Natürlich schlendern wir auch hier durch den Suq und lassen uns in den Engen Gassen gemütlich durch die Menschenmassen schieben. Am Abend scheinen sich alle nach einer Abkühlung in die Parks zu suchen. Die beleuchteten Springbrunnen erscheinen zunächst etwas kitschig, aber wenn man schon ein wenig von Syrien in sich aufgenommen hat, passt die Stimmung exakt zur Umwelt.

 

Mit dem Zug, im Anschluss mit dem Bus machen wir uns auf den Weg zu einem kleinen Küstenort im Westen. In Ra’s al Basit probiert Angie wie es ist, mit voller Kleidung im Meer schwimmen zu gehen. Naja, für Mitteleuropäer wie uns ist es doch angenehmer in Italien oder Spanien (in für syrische Verhältnisse sehr knapper Bademode) am Strand zu liegen. An der Küste machen die Syrer Urlaub. Es sind immer ganze Familien mit Grill und Campingstühlen die sich nach der schlimmsten Mittagshitze in Gruppen am Strand tummeln. Wie überall lernen wir Familien kennen und werden eingeladen.

 

Langsam drängt die Zeit und wir müssen wieder nach Damaskus zurück. Zunächst führt unser Weg nach Hama, der Stadt der Wasserräder. Und es ist tatsächlich so. Überall knarrt und kracht es. Manche der Holzräder sind über 20 Meter hoch. Es gibt viel nette Restaurants entlang des Flusses, und am Abend kann man dort ein bisschen flanieren. Von Hama aus schauen wir uns die alten Königsgräber ein paar Kilometer außerhalb an. Interessant, vor allen Dingen wenn man geschichtliche Literatur dabei hat, und etwas über die Geschichte der alten Stätten lesen kann. Wir waren leider nicht so gut ausgestattet.

 

Wir verbringen in Hama nur noch eine weitere Nacht, den wir wollen noch nach Malula. Dort soll angeblich noch der aramäischer Dialekt gesprochen werden, den Jesus gesprochen damals hat. Mitten im Gebirge taucht das Dorf vor uns auf. Wir fragen im Kloster ob wir dort Übernachten dürfen, und machen uns dann auf die Gegend zu erkunden. Malula ist nicht groß, und wenn man ein bisschen auf die umgebenden Felsen Klettert kann man schöne Panoramablicke entdecken. Vor allen Dingen in der Dämmerung. Wie so oft lernen wir wieder eine nette Familie kennen Bild anzeigen, die kurioser weise am Ende des Abends alle 12 an der Zahl mit schallendem Gelächter im Fahrerhaus eines Trucks nach Hause fahren.

 

Hier endet unsere Reise, die uns den Orient so viel näher gebracht hat. Zurück in Damaskus geniesen wir noch einen letzten Tag, bevor wir wieder in den Flieger steigen. Das war bestimmt nicht unsere letzte Reise in den Orient!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

© Januar 2006 Frank Kern, Exped, Wien.
Layout und Umsetzung: Stefan Germershausen