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Expedition Norwegen

  1. Tag: Wien – Prag – Stockholm – Kiruna

Nach langen Vorbereitungen ist es soweit: Wir treffen uns zu viert (Angie, Astrid, Frank und Roli) um sieben in der Früh am Flughafen Wien Schwechat. Die letzten Gepäcksstücke werden getaped, die letzten guten Ratschläge von Freunden und Verwandten gegeben. Die ersten beiden Flüge gestalten sich unauffällig, alles läuft gut. In Stockholm angekommen – der erste Schreck. Rolis Rucksackaufbau mit Zelt und allen Klamotten war doch nicht so gut getapt und ist nicht angekommen. Frank und Roli also ab zum Gepäcksschalter, Angie und Astrid machen sich auf den Weg um Alex zu treffen. Terminal 5 führt uns nicht zu Alex. Der hat inzwischen auch schon die beiden anderen getroffen. Angie und Astrid werden ausgerufen, finden doch noch zur Herde zurück. Alex hat es erstaunlicher Weise trotz abgelaufenem Pass mit einem Duplikat doch noch am letzten Drücker in den Flieger nach Stockholm geschafft. Die Gruppe ist also zusammen. Frank und Roli kaufen in der Dutyfreezone apartes Ersatzgewand. Geld wird systematisch beschafft – wir brauchen ein neues Zelt. Ein Anruf in Kiruna bringt uns auch nicht weiter.

Nach fast drei Stunden Verspätung besteigen wir die Maschine nach Nordschweden und stellen resignierend fest, dass der Kapitän ein Januskopfmonster ist, er trägt am Hinterkopf eine Santa-Claus-Maske. Wir kommen dennoch heil an und werden in der Herberge sogar von einem Zelt erwartet, das Frank mit geschultem Blick sofort als Hilleberg identifiziert. Die Pulkas, die wir auf dem Zimmer auspacken sind doch kleiner als erwartet – oder haben wir einfach zu viel Gepäck? Nach Beendigung aller Vorbereitungen fallen wir um halbdrei ins Bett.

2. Tag: Kiruna – Kiruna

Um sieben in der Früh treibt es uns förmlich aus dem Bett. Das Frühstück wird allen Erwartungen gerecht, der Tag kann beginnen. Alex und Roli machen sich auf den Weg zum Outdoorgeschäft, um das Zelt zu bezahlen. Roli wird bei der Wahl zwischen Kauf oder Miete ersteres wählen, die Miete wäre halb so teuer. Die übrigen drei organisieren ein Taxi und stellen fest, dass der Fahrer am Vortag sie übers Ohr gehauen hat, da wars nämlich doppelt so teuer. Nach einigem Suchen wird der Helikopter gefunden, der Pilot schläft noch. Das ist aber ohnehin egal, denn er wird heute nicht fliegen. Diagnose: Eis in den Wolken. Ein zweiter hinzugekommener bestätigt das, möchte uns aber gerne in den Süden fliegen. Wir lehnen dankend ab. Roli und Alex stossen inzwischen auch dazu. Frank nimmt 5 Kilo Rentierfleisch in Empfang und bezahlt die Rechung, die doch etwas höher ausfällt als erwartet. Rentiere sind halt doch nicht beim Diskonter erhältlich. Uns bleibt schließlich nichts anderes, als den Heli zu beladen und wieder in die Herberge zu fahren. Dort verbringen wir Weihnachten, nachdem wir uns noch mit Lachs und Käse (für die Vegetarierin) eingedeckt haben. Das Essen wird mit selbstgebackenen Keksen und Weihnachtsgeschichte (besten Dank an Rosi) gereicht und mit der ersten Flasche Schnaps hinuntergespült. (burp)

3. Tag: Kiruna – Stor Rosta

Um 9.30 werden wir vom Helikopterpiloten abgeholt und fahren wie die Sardninen ins Auto gepfercht – aber gratis - zum Flughafen. Dort ist der Hubschrauber auch bald ins Freie gebracht, wir steigen ein und heben ab. Der Flug ist ruhiger als erwartet. Angie überlegt, ob sie das Fliegen doch noch gern haben soll. Der Pilot setzt uns zielsicher an der schwedisch-norwegischen Grenze ab Bild anzeigen , sieht uns leicht belustigt bei unseren etwas unorganisierten Aufbruchvorbereitungen zu und verlässt uns nach einem letzten gemeinsamen Foto.

Nach nur knapp einer Stunde Fahrt erreichen wir die Hütte Bild anzeigen. Alex hat bis dahin auch schon den Schnee genauer untersucht und festgestellt, dass er genauso kalt und nass ist wie der in unseren Breiten. Die Hütte ist nicht verschlossen und sehr gemütlich Bild anzeigen . Vier Betten bieten ausreichend Platz. Nach ersten Anlaufschwierigkeiten kriegt Frank auch ein Feuer im Ofen zustande. Roli und Alex hacken Holz hinter der Hütte, Angie und Astrid kochen Tee, wie man das eben so aus alten, besseren Tagen kennt. Es wird warm, zu warm, wir waren zu großzügig mit dem Holz. Was solls, draussen hats -20°C und Wind. Unser erstes Fertigessen – Nudeln mit Tomatensauce vom Lidl – schmeckt erstaunlich gut. Der Schnaps auch. Wir stellen fest, dass wir zu großzügig mit dem Schnaps - und den Teebeuteln – umgehen, erste Rationierungsmaßnahmen werden vor dem Schlafengehen getroffen.

4. Tag: Stor Rosta – Daerta

9.30, los geht’s. Kalt – mindestens -20°C, ich weiss wir haben mit mehr gerechnetBild anzeigen. Der Weg stellt sich als recht einfach heraus Bild anzeigen, zu Beginn überqueren wir den See neben der Hütte, danach ist es fast eben. Auf halbem weg ziehen drei Huskyschlitten an uns vorbei. Die Mucher bleiben nicht stehen, wir werden ihnen aber ein paar Stunden in der schon angenehm beheizten Hütte wieder begegnen Bild anzeigen. Die Pulka wird zum ersten Mal getauscht, Alex macht sich gut, seine Schnalle geht aber irgendwann kaputt. Die lässt sich auf der Hütte einfach flicken.

Die Hütte ist reiner Luxus: Holz hacken in einem eigenen Schuppen, gleich daneben das aparte Doppelklo. Die Pulkazieher bekommen nach den Strapazen des ersten Tages eine Massage von den Frauen. Der norwegische Schlittenführer rät uns zu einem anderen Kurs, wir werden am nächsten Abend nicht nach Westen abbiegen, sondern dem Tal weiter südwärts folgen und so einen schweren Aufstieg umgehen.

5. Tag: Daerta – Flussdelta

Um fünf in der Früh stehen wir auf und brechen zweieinhalb Stunden später auf. Wir haben 15km vor uns und wollen bis zur Dämmerung unser Ziel erreichen. Nach etwa einer halben Stunde schon die ersten Probleme: Roli hat eine seiner Fellspanner vorne verloren, Das Fell wird notdürftig angetapt, hält aber die nächsten beiden Tage erstaunlich gut. Nach einer weiteren halben Stunde werden wir von den Huskyschlitten überholt und folgen den weiteren Weg einfach den Spuren.

Bei Einbruch der Dämmerung haben wir noch 2km vor uns. Frank möchte schon zelten, Angie wird plötzlich schlecht, wir gehen dennoch weiter und sind um 5 am Nachmittag angekommen.

Nach einer kleinen Diskussion werden wir uns über den geeigneten Zeltplatz einig – vielleicht haben die anderen auch einfach keine Lust, Frank weiter zu widersprechen. Das vorher als bequemes Profiequipment identifizierte Zelt stellt sich beim Auspacken als windschiefes Etwas heraus, das einem Sturm sicher nicht standhalten wird. Alex und Roli gewinnen nach einer Ewigkeit den Kampf mit dieser Behausung, die sich konsequent dagegen wehrt aufgestellt zu werden. Wir waren insgesamt 9,5 Stunden unterwegs und sind ein bisschen fertig. Das Abendessen – erstmals eine Trekkingmahlzeit Bild anzeigen – stellt Alex, Astrid und Roli wieder auf, die Soja Carbonara war jeden teuren Cent wert. Frank und Angie berichten am nächsten Morgen von ihrem furchtbaren Billig-Chicken-Curry.

5. Tag: Flußdelta – Havgah

Um 9.30 gehen wir los und kommen gut voran Bild anzeigen– einzig Roli hat seine Energie verlassen. Auf halber Strecke navigieren Angie und Astrid dann aber etwas zu weit nach SüdenBild anzeigen. Plötzlich steht die Gruppe vor einer – mit Pulka – recht steilen Abfahrt. Der etwa 50 m hohe Hang kostet die Gruppe fast eine Stunde und das Gestänge der einen Pulka, die unser Skianfänger Alex irgendwann doch noch mit Roli und Angie gemeinsam hinunter manövriert hat, ist gebrochen. Rolis Ferse ist auch defekt. Es ist bereits dunkel, wir haben aber noch etwa vier Kilometer vor uns Bild anzeigen.

Die letzten drei führen durch einen Krüppelbirkenwald. Die Navigation und das Vorwärtskommen sind extrem erschwert. Teile der Gruppe sind – wie es Roli nennt – schon etwas unterzuckert. Astrid, die die Navigation und das Spuren übernommen hat, legt nach einer Reihe von Stürzen (4 Abgänge in einer halben Stunde) eine Pause in einem Hang ein. Der Rest der Gruppe wartet zwar unter Anstrengung (die Pulkas müssen ja zurückgehalten werden), aber doch geduldig.

Um etwa neun Uhr ist der Rentierzaun, der die Nähe der Hütte anzeigt, erreicht. Wir finden kein Tor, biegen den Zaun also auf und auf der anderen Seite brav wieder zu. Die GPS-Daten der Hütte führen zu einem großen Stein. Plötzlich ist Grunzen aus dem Wald zu hören. Alex, der den ganzen Tag über schon Wildschweine gesehen haben will, sieht seine Befürchtungen bestätigt. Tatsächlich ist es Astrid, die sich kurz von der Gruppe abgesondert hatte, und nun während sie zurück kommt, laut grunzend ihren Frust rauslassen muss.

Irgendwann sind die Zelte dann aufgestellt Bild anzeigen – wir haben die Suche nach der Hütte aufgegeben. Roli läßt im Zelt noch die Korken knallen – er hat eine Thermoskanne mit Brausetablette drinnen verschlossen. Die Freude währt kurz, er wird die Nacht in einem nassen Schlafsack verbringen.

Die schlechte Stimmung wird am Ende aber durch die wunderbaren Nordlichter, die plötzlich erscheinen, wieder wettgemacht.

6. Tag: Havgah

Astrid steht als erste auf und macht sich auf die Suche nach der Hütte. Die ist etwa drei Steinwürfe vom Zeltplatz entfernt und bei Tageslicht leicht zu finden. Nach dem gestrigen 12-Stunden-Marsch beschließen wir, den Tag in der Hütte zu verbringen. Angie und Astrid gehen vor, um Feuer zu machen. Die Männer bauen die Zelte ab und kommen nach einer Ewigkeit halb erfroren mit dem Gepäck hinterher.

Wir haben Glück. Eine Stunde, nachdem wir die Hütte bezogen haben, tauchen drei Norweger mit zwei Huskies auf, auch sie wollen die Nacht hier verbringen. Nun sind wir zu acht in der Zweibetthütte. Es ist eng, aber sehr gemütlich.

Rolis Fuß wird verarztet, er hat eine riesige, schon offene Blase. Das Pulkagestänge wird mit einer Brausetablettenhülle repariert und hält erstaunlich gut. Die Nassen Sachen werden getrocknet, wir tauschen unser Trockenfleisch gegen die Kekse der Norweger.

Auch diese Norweger raten uns, unseren Kurz zu ändern. Sie erklären sich bereit, am nächsten Morgen für uns zu spuren. Wir borgen ihnen im Gegenzug gerne unser Zelt. Alex tauscht beinahe seinen Schlafplatz in der Hütte gegen ein Bier unserer Mitbewohner, läßt es dann aber doch bleiben. Unser Essen spülen wir zur Abwechslung wieder einmal mit einem Schluck Hochprozentigem hinunter. Fein!

7. Tag: Havgah – Zelt bei See

Franks Thermometer zeigt schon wieder -20°C. So kalt ist es doch gar nicht?! (Am Ende der Reise stellt er fest, das das Glas gesprungen ist.) Um halbzehn gehen wir los Bild anzeigen. Die Norweger sind schon eine Zeit weg. Ihre hilfreichen Spuren verlieren sich nach einiger Zeit, denn der Wind bläst zu stark. Dennoch schaffen wir einen eleganten Schwenk durch den Krüppelbirkenwald und kommen schließlich im Westen genau zwischen den beiden Bergen, die wir ansteuern wollten, zu seinem Ende.

Wir betreten das Tal dazwischen und stellen nach weiteren zwei Stunden Marsch am Rand eines Sees die Zelte auf. Jeder hat des Gefühl, wir wären heute nicht vom Fleck gekommen. Der Wald hatte schon eine eigenartige Stimmung. Die Zelte sind nass, wir konnten sie auf der Hütte wegen Platzmangels nicht trocknen. Kartoffeleintopf und Sojaragout sind aber sehr lecker.

8. Tag: Zelt – Vuoma

Wir brechen heute viel zu spät, es ist schon 11 Uhr, auf. Der Wind vom Morgen flaut bald ab und es wird ein herrlich schöner Tag. Wir sind jetzt in einer Gegend mit vielen Flüssen Bild anzeigen bzw. Mooren. Das macht das Weiterkommen einerseits leichter, denn wir folgen den Flussläufen ohne große Hindernisse und Unebenheiten. Andererseits ist das Eis stellenweise recht dünn. Roli, Frank und Astrid brechen zwischendurch ein, und die Felle bremsen danach gewaltig.

Die letzten beiden Kilometer können wir gemütlich über einen See gehen. Das ist auch gut so, denn Alex und Frank, die die Pulkas den ganze Tag gezogen haben (Roli ist wegen seiner Ferse seit der Havgahhütte vom Ziehen befreit), sind inzwischen ziemlich fertig. Um fünf Uhr erreichen wir diesmal ohne Probleme die Hütte. Wir sind die einzigen. Alle Vorwarnungen, die Hütte werde zu Silvester gerne von den Einheimischen benützt, waren weit übertrieben: Die letzten Silvestergäste waren vor zwei Jahren hier Bild anzeigen.

Wir feiern den Jahreswechsel saumüde. Um 23 Uhr möchte Angie Silvester um eine Stunde vorverlegen. Die anderen sind dagegen. Nach einem kurzen „Prosit Neujahr“ und einem Schluck Schnaps geht die Gruppe schlafenBild anzeigen.

9. Tag: Vuoma

Heute wieder ein Relax-Hütten-Tag. Diesmal trocknet alles Bild anzeigen. Wir lesen Helge Schneider, spielen einige Runden Bohnanza und organisieren am Abend einen Motorschlitten für das letzte Wegstück von der Gaskas Hütte nach Innset. Unseren ursprünglichen Plan, mit Huskyschlitten dorthin zu fahren, müssen wir fallen lassen, die Schlitten werden an diesem Tag schon von einer anderen Gruppe benutzt.

10. Tag: Vuoma – Zelt

Wir machen uns gut erholt schon um 7.15 auf den Weg und kommen gut voran, bis der Flußlauf, dem wir folgen, uns in eine kleine Schlucht führt. Dort ist Vorsicht angesagt, denn das Eis unter unseren Füßen ist wieder sehr dünn. An einer Stellen müssen die Pulkas abgeschnallt und nach oben gehoben werden. Alles in allem eine schöne Abwechslung nach dem bisherigen Geradeausgehen.

Als wir oben angelangt sind, beginnt es zu dämmern. Der Tag heute wird wieder sehr schön werden. Die letzte große Anstrengung ist eine Paßüberquerung. Wir kommen so schnell voran, dass wir hoffen, uns die letzte Zeltnacht vielleicht doch ersparen zu können. Um zwei Uhr schlagen wir aber doch unser Nachtlager auf. Der Abstieg, der vor uns liegt, wird bei schlechter Sicht nicht empfohlen, und die Abenddämmerung bricht schon herein.

Astrid vernichtet beim Aufbau erfolgreich Alex' Thermoskanne und beweist gleichzeitig, dass der Abhang tatsächlich nicht zu unterschätzen ist. Zu fünft in Angies und Franks Zweimannzelt spielen wir vor dem Abendessen noch eine Partie Bohnen. Astrid zieht für die letzte Nacht noch ins andere Zelt um. Jetzt können Alex und Roli endlich beim Schlafen ihre Beine ausstrecken. Die Vorräte warten gut kalkuliert. Wir haben nur noch Essen für zwei Tage.

11. Tag: Zelt – Gaskas

Es ist windig, als wir aufbrechen Bild anzeigen. Dass es schon Mittag ist, lässt sich verkraften, wir haben ja nur noch fünf Kilometer vor uns. Ein knallorange Himmel begleitet uns bei der Abfahrt, die doch nicht so schwer ist wie befürchtet Bild anzeigen. Nach einer letzten Flußüberquerung müssen wir ein letztes Mal durch ein Stück Wald bergauf steigen. Aber nach einem Kilometer Hüttenpeilung mit GPS ist es geschafft. Endlich ist das Ende der Tour erreicht. Hier in der Nähe der Zivilisation sind wir auch nicht allein, eine ganze Reihe von Hundegespannen begrüßt uns von Weitem. Wir finden dennoch genug Platz in einer der beiden Hütten. Eine letzte Runde Bohnen. Gute Nacht.

© Januar 2006 Frank Kern, Exped, Wien.
Layout und Umsetzung: Stefan Germershausen