[ Reisebericht ] [ Fotogalerie ] [ Files ]
Madagaskar

Mit einem Präsidenten und einem Huhn durch den Regenwald von Madagaskar

Wieder einmal eine ungewöhnliche Reise, und diesmal völlig anders als geplant. Was kann man in Madagaskar eigentlich machen? Schon alleine die Unmengen von „a“ und „n“ in dem Namen der Hauptstadt wecken in uns die Abenteuerlust. Hier zum laut mitsprechen „Antananarivo“. Eine leichtere Variante ist „Tana“

Dort angekommen machen wir uns daran eine Plastiktüte voll Geld umzutauschen (ist dort wirklich so) und Packelweise in unseren Rucksäcken zu verstauen. Ein Rucksack ist allerdings wie schon so oft nicht im Herzen Madagaskars angekommen, sondern noch irgendwo unterwegs. Allerdings nicht zu uns, eher mehr in Richtung Südamerika. Unglücklicherweise ist genau in diesem Rucksack das 2. Zelt und ein Teil unserer Treckingausrüstung.

Geplant waren ein Drittel Kultur, Land und Leute, ein Drittel Natur und Regenwald und zu guter letzt ein Drittel Erholung am Strand. Da sich nun nach 3 Tagen ohne Gepäck, einem lästigen Duo die uns unbedingt eine Dschungeltour zu Horrorpreisen verkaufen will und einem Rundgang durch die nicht sehr schöne Hauptstadt die geplante Treckingtour nicht mehr ausgeht, schmieden wir einen neuen Plan. Es gibt da noch eine weitere Dschungeltour, ganz im Norden der Insel. Der Inlandflug würde genau passen. Und tatsächlich, Am 4. Tag ist das Gepäck da und zur gleichen Stunde steigen wir in die Propellermaschine nach Sambava. Von dort aus geht’s mit dem Bus nach Andapa ans Ende der Welt. Ein kleine Dschungelstadt, das Tor in die Wildnis.

Es dauert eine Weile bis wir jemanden finden, der uns zur dortigen WWF Station führt. Dort wiederum ist man sehr bemüht unserm Wusch, einen Führer der mit uns bis zur Küste geht zu finden. Per Fahrradboten wird eine Nachricht ausgeschickt, und nach 3 Tagen kommt tatsächlich ein junger kräftiger Mann mit einer kleinen Umhängtasche. 5-10 Tage stehen uns bevor, dafür kaufen wir auf dem Markt mehrere "Tin" Reis, getrockneten Fisch, Kerzen und Salz Bild anzeigen.

Los geht’s also, durch Flüsse, hinein in den Wald, vorbei am ersten Dorf das nur zu Fuß erreicht werden kann. Unser Führer „Desiree“ hält kurz inne fragt nach dem Weg. Dann folgt ein Abschneider über matschige Reisfelder, und plötzlich befinden wir uns in dichtem Regenwald. Der „Weg“ ist hier nur erahnbar, alles ist sehr sehr matschig, sehr steil, und sehr schwer zu begehen. Nach zahlreichen Ausrutschern bekommen wir schließlich jeder ein Begleiter für den Rest der ganzen Tour zur Verfügung gestellt. Ein Holzstab. Wir laufen bis zum Abend. Noch ein letzter sehr steiler und wirklich rutschigen Abhang hinauf und dort ist unser erstes Nachtlager, in der Schlafhütte einer einheimischen Familie Bild anzeigen. Die Familie schläft inzwischen mit Desiree in der Esshütte. Am Abend gibt’s wie auf der ganzen Tour – Reis - trocken und ungewürzt - hmm lecker.

In den darauf folgenden Tagen wandern wir von Tagesanbruch bis Sonnenuntergang. Es regnet regelmäßig und der Pfad verlangt uns so einiges ab Bild anzeigen. Flussdurchquerungen, Blutegel und Moskitos stehen auf der Tagesordnung. Der Ablauf um in einem Dorf zu übernachten ist immer der Gleiche. Bevor wir den Dorfplatz betreten, Waschen wir uns im Fluss. Desiree fragt nach dem Präsidenten bzw. dem Ältesten im Dorfzentrum. Nach ein wenig verhandeln sind wir immer willkommen. Jetzt wird eifrig nach einer Familie gesucht, die uns ihre Hütte zur Verfügung stellt Bild anzeigen. Es findet sich auch immer eine 2. Familie die für uns den Reis kocht Bild anzeigen . Unsere Geschenke machen den Leuten Freude, Kerzen und Salz sind besonders gefragt. Einige fragen auch nach Öl, leider haben wir das nicht dabei. Dann endlich sind alle Formalitäten erledigt, und wir dürfen uns in der Hütte ausrasten.

In einem Dorf freut sich ein Dorfältester so über unseren Besuch, dass er uns anbietet uns für den Rest der Reise zu begleiten. Bild anzeigen Unser Präsident :-) Bild anzeigen Als Proviant kochen wir mehrere Tagesrationen Reis, und wir bekommen auch noch ein Huhn dazu. Für Angie wird es ab hier angenehm. Der Präsident besteht darauf ihren Rucksack zu tragen.

2 Tage später schlachten wir das Huhn, bei unserem einzigen Lagerplatz ohne Dorf mitten im Dschungel. Ein Festessen Bild anzeigen. Reis mit Huhn. Das Wasser hat hier eine rötliche Farbe, und in der Nacht hören wir Vögel, Affen und andere Dinge. Eigentlich sollten wir schon die Tour fertig haben, jedenfalls wenn man in Tagen rechnet. Immerhin sind wir schon 6 Tage unterwegs. Doch wir haben noch nicht einmal die Hälfte, so bestätigt es uns Desiree.

Es geht weiterBild anzeigen Bild anzeigen Bild anzeigen Bild anzeigen. In einer anderen Siedlung ist es uns sogar möglich ein Schwein zu kaufen. Wieder ein Festessen – Schwein mit Reis. Zum Teil geht es so sehr durch das Dickicht, dass wir unsere Rucksäcke hinter uns her durch den Matsch ziehen müssen um passieren zu können. Nass sind wir eigentlich immer, es heißt ja auch Regenwald. Wir sehen alles Mögliche an Tieren, wir begegnen armen Menschen und schlimmen Krankheiten. Wir sind wirklich fernab von unserer so hoch gelobten Zivilisation. Und dennoch, alle empfangen uns immer mit überwältigender Gastfreundschaft. Kinder begutachten uns argwöhnisch, wir sind die ersten weißen hier, die sie sehen. Ganz mutige trauen sich bis zum Eingang unsere Hütten, andere Verstecken sich schnell hinter der Mama. Eines der Höhepunkte waren die leisen Gesänge, die in einer SiedlungBild anzeigen weit ab von allem den Nachthimmel erfüllten.

Nach 8 Tagen werden wir langsam nervös. Wir haben immer noch nicht die Hälfte, und die Zeit wird knapp. Die Lösung des Rätsels kommt bald. Mit der „Hälfte“ meint Desiree nicht den Weg in Kilometern, sonder die Grenze des Waldes. Wir passieren eine art Altar, auf dem jeder etwas opfert, um sicher auf dem weitern Weg voran zu kommen. Kaum haben wir diese Stelle passiert, sind es plötzlich nur noch 2 weiter Tagesmärsche bis zum Fluss, der uns die Möglichkeit gibt mit einem Einbaum oder etwas anderem (je nach dem was gerade organisierbar ist) zur Küste zu kommen. Wir laufen weiter durch VanilleplantagenBild anzeigen , niedrigen Busch, vorbei an gigantischen Bambusgewächsen und erreichen schließlich leicht malediert unser Ziel. Den Rand des Regenwaldes Bild anzeigen.

Es ist schon merkwürdig, so sehr wir die Tage im Matsch und Regen auf unserem Pfad verfluchtenBild anzeigen, so sehr fehlt uns hier diese Umgebung. Es ist alles hecktischer, wir müssen ein Boot organisieren, damit wir noch ein paar Tage Erholung am Strand erhaschen können Bild anzeigen.

© Januar 2006 Frank Kern, Exped, Wien.
Layout und Umsetzung: Stefan Germershausen