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Iran

 

Mit dem Rucksack durch den Iran

 

Immer noch sehr beeindruckt von unserer letzten Reise durch Syrien, wurde es immer deutlicher, dass die Faszination, die der Orient auf Fremde Menschen ausübt uns fest in ihren Bann gezogen hat. Die Wahl des nächsten Reisziels war nicht schwer, als wir uns im März schon von Sommerurlaubsträumen berieseln ließen. Der Iran, den man in Österreich eigentlich nur aus den Medien kennt, sollte es werden.

Ein wenig unsicher machten wir uns an die Recherche, plötzlich tauchten überall in unserem Bekanntenkreis Iraner auf. Wir ernteten auf unsere Fragen rund um den Iran alle möglichen Reaktionen, angefangen von „seid ihr wahnsinnig“, bis hin zu einem kommentarlosen „aha“. Schließlich fanden wir ein Pärchen, das vor einem Jahr auch zu zweit und mit Rucksack dort unterwegs war. Vielen Dank hier noch mal an den SolarpapstJ. http://www.solarpapst.de/iran/

Das war’s was gefehlt hat, ein Bestätigung dass alles halb so wild ist. Jetzt noch schnell ein paar günstige Tickets besorgen, dass Visa Formular ausfüllen, ein paar Gänge zu Botschaft, die hier in Wien sehr freundlich ist, und los geht’s.

 

Teheran ist eine moderne 8 Millionen Metropole die verkehrstechnisch selbst für erfahrene Italien- oder Frankreichfahrer auf den ersten Blick erschreckend wirkt. 1000 kleine Mopeds, vermischt mit Fußgängern und einem nie endenden Autoverkehr machen das Queren einer Straße nicht gerade leicht. Nach ersten Gehversuchen und einem Tag Akklimatisation hatten wir auch schon Kontakt mit den Empfängern der 2 mit Kleidern gefüllten Riesekoffern, die wir aus Wien für eine Familie mitgenommen hatten.

Ab hier wurden wir von der iranischen Freundlichkeit überschüttet. Es wurde gleich ein Fest organisiert, Musiker spielten, und es gab gegrillte Köstlichkeiten bis spät in die Nacht. Die Menschen rückten in den Vordergrund, die Stadt war lediglich die Bühne mit einer wirren Kulisse.

 

Aufbruch nach Hamadan

Mit dem Bus von Teheran nach Hamadan ist es ein Katzensprung. Die 6 Stunden vergingen wie im Flug. Am Ziel angekommen, warteten schon eifrig einige Taxifahrer. Die Kleinstadt ist eine der ältesten Städte im Iran und hat einen kleinen Ausflugsort mit in Fels gehauenen Keilschrifttafeln aus der Zeit von Xerxes. Das war auch unser erstes Ziel. Leider nicht das des Taxifahrers. Da es mit Englisch im Iran ziemlich eng werden kann, haben wir uns alle Orte, die wir besuchen wollten im Reiseführer auf Arabisch übersetzten und aufschreiben lassen. Nachdem uns das Taxi irgendwo außerhalb an einem völlig falschen Ort abgesetzt hatte, half uns diese Maßname sehr, um erstens wieder zurück in die Stadt zu kommen und zweitens, um unser Tagesausflugziel zu erreichen.

Endlich angekommen luden herrliche Veranden mit Teppichen ausgelegt zum Verweilen ein. Langsam lernten wir uns zu bewegen, zu verständigen und das Land zu lieben. Bei Tee und Wasserpfeife blieben wir bis am Abend und schauten dem bunten Treiben der angereisten Familien zu. Die Leute interessierten sich für uns und waren sehr aufgeschlossen. Beim Essen bestellen, kam uns spontan ein Flugzeugkapitän zu Hilfe. Er musste wohl mit dem Kellner gesprochen haben, bei dem wir bestellten und auf gut Glück mit dem Finger auf der Speisekarte ein paar Dinge aussuchten. Hamadan hatte leider außer echtem Iranerleben für uns nicht viel an Sehenswürdigkeiten zu bieten. Es gibt noch eine Ausgrabung, die wir aber nicht besuchten.

Zwei Tage später auf dem Weg nach Kermansha lernten wir im Bus Reza kennen. Mit ein paar Brocken Englisch erklärte er dem ganzen Bus, woher wir kommen, und neugierig wurden wir (immer mit den Übersetzungen von Reza) über die Terroranschläge in Madrid befragt. Der Wissensdurst der jungen Iraner war unersättlich. Reza lud uns mehrmals zu sich nach Hause ein, und schließlich willigten wir ein. Kermansha, unser eigentliches Ziel ließen wir links liegen, und fuhren mit einem Taxi, 4 Personen vorne (ja das geht), 4 hinten, im Kofferraum eine Haustür und vielen Körben Richtung irakische Grenze. Nach und nach wurde die Tür ihrem Besitzer zugestellt, der alte Mann mitten im Nirgendwo ausgesetzt und die restlichen Passagiere in einem kleinen Dorf entlassen. Schon eine Stunde unterwegs, mit einem etwas mulmigen Gefühl erkundigten wir uns nach dem Ziel der Fahrt und der verbleibenden Fahrtzeit. Plötzlich tauchten Häuser vor uns auf und auf Feldwegen kamen wir zu unserem Ziel. Ein Bauernhof in der Nähe des Grenzgebietes zum Irak inmitten einer trockenen scheinbar dörren Landschaft. Diese war umwerfend. Ohne uns gegenseitig zu verstehen, wurden wir in die Familie integriert. Es wurde ein Lamm geschlachtet und gekocht.Bild anzeigen Schon nach kurzer Zeit war alle Scheu vergessen, die Schleier wurden abgenommen, Bilder wurden ausgetauscht und wir wurden mit überwältigender Herzlichkeit zum Bleiben über Nacht aufgefordert. Es war einfach in die Welt der kurdischen Familien einzutauchen.

In Kermansha besuchten wir mit Reza und 3 seiner Schwestern den alten Palast Bild anzeigen der sich später als eines der schönsten Bauwerke auf unserer Reise entpuppen sollte. Wunderbar handbemalte FließenBild anzeigen türkies, gelb, blau mit leuchtenden Fenstern und wunderbarer Ornamentik durchzogen. Der Suq ist ebenfalls sehr sehenswert. Nach einem kleinen Radioauftritt besuchten wir noch die Felsreliefe Tagh-e-bostan, weiter ging’s per Bus nach Isfahan.

 

Isfahan ist ein einziges Museum. Bild anzeigen Ein Bauwerk ist prächtiger als das andere. Wir bekamen jede Menge Angebote bei der einen oder anderen Familie zu verweilen. Dankend lehnten wir ab. Isfahan wollten wir auf eigene Faust erkunden. Ausgangspunkt war immer der große Königsplatz mit der prächtigen Emam Moschee Bild anzeigen Bild anzeigen Bild anzeigen. Von dort aus unternahmen wir 4 Tage lang Streifzüge durch die ganze Stadt. Wir zogen mit Armin, einem Englisch-Student durch verschiedene Teehäuser, besuchten die schwingenden Miranetten, den Feuertempel der Zarathustrier und ließen uns vom Scharm des Orients Tag für Tag treiben. Auch den Teppichhändlern konnten wir uns nicht entziehen. Englisch ist hier kein Problem. Wir fanden sogar Möglichkeiten mit Kreditkarte über einen dubiosen Mittelsmann in Dubai einzukaufen. Das erleichterte uns die Fortreise sehr, da in ganz Iran keine europäischen Karten angenommen werden. Man muss also wirklich alles Geld für die Reise im Vorhinein berechnen und mitnehmen. 3 Studentinnen boten sich einen Tag als Führerinnen an und wir bekamen zu den wenigen Palästen aus der Zeit des Schahs tolle Geschichten erzählt. Alle natürlich sehr romantisch, als ob sie direkt aus der Sammlung von 1001 Nacht entnommen wurden.

Nach wiederum vielen Eindrücken reisten wir weiter nach Yazd. Ein Taxifahrer dessen Auto so alt wie er selbst war, brachte uns ins Hotel. Ein echter Geheimtipp ist das „Traditional Kohan Hotel“ bei der Freitagsmoschee Bild anzeigen.

Wir schlenderten durch die Altstadt mit ihren Lehmhäusern aus vergangenen Zeiten und ihren kunstvoll gefertigten Windtürmen Bild anzeigen Bild anzeigen. Die Wände der Häuser sind zum Teil mit Holzbalken quer über die Gassen verstrebt. Wir fanden immer wieder überdachte Gänge, kleine Plätze, wo in Skelettbauweise tragbare Holzkuppeln (schiitische Kultgegenstände) stehen, die während einer Prozession einmal im Jahr durch die Stadt getragen werden Bild anzeigen. Am Abend saßen wir auf dem Dach und schauten über die Kuppeln der Stadt. Der Muezzin rief zum Gebet und es wehte ein warmer Wind über uns hinweg. Wir waren so tief in dieser Stimmung gefangen, dass unser Zuhause in Wien fast gar nicht mehr existierte. Die schwarz gekleideten Frauen in den engen Gassen Bild anzeigen und der bunte Suq Bild anzeigen trugen ebenfalls zu einem unvergesslichen Erlebnis bei.

Yadz war für uns die schönste Stadt im Iran, auch wenn sie nicht mit den Sehenswürdigkeiten von Shiraz oder Isfahan mithalten kann Bild anzeigen.

 

Einer Einladung folgend, welche wir schon im Flugzeug nach Teheran bekamen, reisten wir weiter nach Kerman. Nach einem herzlichen Empfang, hatten wir schon ein schlechtes Gewissen, die iranische Gastfreundschaft zu missbrauchen. Dankend lehnten wir eine Einladung zur Übernachtung ab und suchten uns ein Hotel. Am nächsten Tag nahm uns Holda zu einem Ausflug nach Mahan mit, wo wir zufällig Gelegenheit bekamen auf das Dach des Mausoleums von Nematollah Vali zu steigen Bild anzeigen Bild anzeigen Bild anzeigen. Der Stiegenaufgang in den Minaretten wurde immer enger und endete mit einer winzigen Öffnung, so dass wirklich nur schlanke Menschen empor kommen. Die Aussicht ist atemberaubend. Ein gemütliches Essen auf ausgebreiteten Teppichen im Garten Baq-e Shahzadeh, der wie eine Kopie von Schönbrunn wirkte, rundet den Tag ab. Zwischendurch besuchten wir noch den Suq, der allerlei Handwerkskunst zu bieten hat.

 

Die Zeit verflog so schnell. Wir hatten nur noch ein paar Tage, um die alte Hauptstadt Shiraz zu erkunden. Begleitet von Holda und ihrem Bruder kauften wir Bustickets und ein paar Stunden später saßen wir schon im Taxi zu einem Hotel im Zentrum von Shiraz. Unsere bereits jetzt schon stark reduzierten Pläne ließen nur noch ein paar Sehenswürdigkeiten zu. In drei Tagen ging unser Inlandflug zurück nach Teheran. Bei einem ausgedehnten Spaziergang besuchten wir die Gräber der Poeten Sadi und Hafez, wo sich schon fast biblische Szenen abspielten. Alte Frauen harrten vor dem Grabstein und sprachen Gebete. Der Ruhm der beiden persischen Dichter scheint grenzenlos zu sein. Angeblich soll sich sogar Goethe der Wortkunst von Hafez bedient haben. Nicht allzuweit entfernt ist der Paradiesgarten Bagh-é Eram. Dort kann man ein wenig der Mittagshitze entkommen. Am Abend lädt die Stadtmitte mit all ihren Düften und hunderten von kleinen Geschäften zu langen Spaziergängen ein. In den Parks treffen sich wie in jeder Stadt die Familien zu geselligen Zusammensein und Abendessen. Eigentlich ein schöner Brauch, der bei uns sehr argwöhnisch betrachtet wird.

Der nächste Tag sollte uns nach Persepolis, der alten Herbstresidenz von Darius führen. Eindrucksvoll steht das Eingangstor mit seinen Wächtern oberhalb der Treppe Bild anzeigen. Es gibt viele Theorien, was den Zweck und die Geschichte von Persepolis anbelangt. Das was Kriege, die Natur und die Plünderer noch übrig gelassen haben, ist aber auf jeden Fall, sehenswert. Für Bildhauer, wie Angie ist dies natürlich ein Erlebnis der Extraklasse Bild anzeigen Bild anzeigen.

Auf dem Rückweg in die Stadt erlebten wir noch ein kleines Hoppala, als wir auf dem Flugticket entdeckten, dass der Inlandsflug erst 10 Stunden nach unserm Rückflug nach Wien, in Teheran ankommt. Das erforderte doch noch ein kleines organisatorisches Wunder, das wir schließlich erfolgreich zaubern konnten.

Leider endet hier unsere Reise, denn in Wien erwartet uns wieder die andere Welt.

 

 

 

 

 

 

© Januar 2006 Frank Kern, Exped, Wien.
Layout und Umsetzung: Stefan Germershausen