[ Reisebericht ] [ Ausrüstungsliste ]
Radlio Dänemark

 

 

 

Kurzbeschreibung

Ein Campingurlaub mit Fahrrädern, Baby und Kleinkindern, kombiniert mit Abenteuer, Lagerfeuer und flexiblem Tagesablauf. Ist das möglich? Wir haben es gewagt, und können zufrieden sagen „Was für eine Show“.

 

 

Strecken Info:

Anreise: Bahn: Wien – Prag – Berlin – Rostock; Fähre: Rostock – Gedser

Tour: Rad: Gedser – Marielyst – Hesnaes – Stubekobing - Bogo – Mon – Kalvehave  - Balle Strand – Feddet – Faxe Ladeplads

Bahn: Faxe Ladeplads -  Koppenhagen

Abreise: Bahn: Koppenhaben – Hamburg – Frankfurt – Wien

 

Seitenanfang

 

Reisebericht:

Noch nie hat die Suche nach Reisebegleitern so lange gedauert. Immer wenn die Worte Fahrrad, Kinder, Baby, Dänemark und 280km ungeschickt kombiniert fallen, wollen alle ihren Jahresurlaub woanders verbringen. Durch einen eleganten strategischen Trick „einem kleinen Sonntags – Fahrradausflug“ konnten wir Roman und Ronja für die Tour begeistern.

Nach einem weiteren Test mit den Anhängern auf einer Mountainbike Strecke im schönen Tafta Tal und mit neuem Tipi Zelt steht dann auch der Plan für August.

Wir wollen mit dem Rad  vom südlichsten Zipfel Dänemarks bis Kopenhagen. Mit dabei sind: Irina (6 Monate), Lina (4 Jahre), Franka (6 Jahre), Ronja (7 Jahre) 3 Erwachsene, 3 Anhänger,  5 Fahrräder und Unmengen an Windeln, Babynahrung, Regenzeugs, Strandsachen, Werkzeug, Outdoor Equipment und viele andere Dinge, die irgendwie nicht weg zu argumentieren waren.

Günstig soll‘s auch werden, wofür Dänemark ja nicht bekannt ist. Was auch nicht sehr bekannt ist, Dänemark bietet Wildcampingplatze, die sich auf der Strecke als wirklich wunderschön herausstellten und für uns immer eine sehr gute Wahl waren.

Und wie kommt man am schnellsten zu unserem Ausgangspunkt in Gedser (DK)? Mit der Bahn. Da unsere ganz Kleine ihren Protest mit spontanem Fieber zum Ausdruck brachte und deshalb 3 Tage später nachgereist ist, hatten wir Väter zu zweit die Aufgabe all das Gepäck +  5 Fahrräder + 3 Anhänger von Wien nach Gedser zu transportieren. Die Show beginnt.

Die Bahn erwartete uns mit allem, was es eigentlich geben kann. Fahrplanänderungen, Verspätungen, Stromausfällen, ungültigen Reservierungen, Überfüllungen, Gleiswechsel, ungeplanten Übernachtungen, aber: Was einen nicht umbringt, macht einem nur klüger.

Nach zwei Reisetagen erwartet uns Gedser mit nordischen Wind, leicht bewölkt und einem herrlichen Regenbogen.

Der erste Naturlagerplatz ist schnell gefunden, nur 1km von der Anlagestelle der Fähre Richtung Süden entfernt. Das Zelt ist schnell aufgebaut, und endlich, endlich, endlich fällt der Anreisestress ab. Das erste Bier schmeckt hervorragend. Es gibt fließend Wasser, ein Plumpsklo, Schutzhütten, Grillstellen und viel Wiese rund ums Zelt.

Am nächsten Tag war eine Rundreise zu den Südklippen + dem dortigen Geo Museum geplant, mit anschließendem ausgiebigen am Strand liegen. Sonnenbrand war die Folge. Die Strände sind der Wahnsinn und so mancher Italiener würde da neidisch werden.

Am Abend Lagerfeuer und grillen. Für die Damen -> Spagetti in einem der Nachbarzelte. Die Menü war eindeutig auf Kleidung und im Gesicht nachweisbar.

Zweiter Tag: Strand. Sonne pur. Einsatz der Walkmans und feinste Unterhaltung mit den 5 Freunden Folge 1-10 in Form von Kassetten (Die jüngeren Leser werden an dieser Stelle gebeten auf Wikipedia nachzuschlagen). Zwischendurch: Abkühlung im Meer.

Dritter Tag: Verlassen des wirklich tollen Naturlager Platzes an der Ostküste entlang Richtung Norden mit anschließendem ausgiebigen strandfaulenzen und schwimmen. Wir landen auf irgendeinem Campingplatz. Schlicht, teuer, aber OK.

Vierter Tag: Tagesausflug mit dem Linienbus nach Nykobing zur Mittelalter-Stadt. Sehr empfehlenswert.

Fünfter Tag: Wir sind komplett, unsere kleine Tochter kommt mit ihrer Mama an, zusammen mit einem Rucksack voller guter Sachen. Yipeyyeh.

Sechster Tag: Kilometer machen. Wir radeln den ganzen Tag, haben ordentlich Wind (immer von vorne) und kommen trotzdem recht gut voran. Im Wald finden wir einen sehr guten Platz zum Zelten direkt am Sandstrand. Fantastisches Wetter und herrliche Aussicht, Lagerfeuer und leckeres Trekking Food.

Siebter Tag: Wieder ein Radeltag mit kleinen Nieselregenabschnitten. Jetzt wird’s hügelig und wir kämpfen immer mehr mit dem Wind. Wir verlassen Falster (die Südinsel) mit der Mini-Fahrrad-Fähre nach Bogo und radeln gleich weiter über die Brücke nach Mon. Die Brücke ist wirklich unangenehm, speziell für Kinder. Wir finden sehr versteckt den nächsten Naturlagerplatz und freuen uns auf selbst gebackene Brotfladen am offenen Feuer. Dazu gibt es junge Mailskolben. Unsere Kinder sind etwas verwundert, lassen sich aber ihren Spaß nicht nehmen, und spielen in dem kleinen Wohnwagen, der in den Büschen für Besucher immer offen ist.

Achter Tag: Wir lassen die Räder stehen und fahren mit den Öffis zu den Kreidefelsen östlich auf Mon (Mon Klint). Die Küste fällt steil ab und bietet ein tolles Flair. Der kürzeste Weg nach unten führt über 1000 Holzstufen steil bergab. Ein guter Platz.

Neunter Tag: Zufällig haben wir direkt neben einer der schönsten Kirchen in Dänemark und dem ältesten Dolmen Langgrab am Tag davor unser Lager aufgeschlagen. Nach einer Besichtigung geht’s weiter mit dem Rad auf und ab, ein Hügel jagt den nächsten. Das Ganze wird ziemlich anstrengend da wir zusätzlich zu den Hängern auch noch unsere Kinder anschieben müssen. Und schon sind die nächsten Gräber in Sicht, die genau inspiziert werden wollen. Wir fahren schließlich solange es alle freut, und landen irgendwo an der Küste bei einem Minihafen, wo wir das Zelt aufschlagen. Unterwegs haben wir an einem der diversen Bauernständchen frisches Obst und Kartoffeln eingekauft. Die Kinder spielen auf dem Bootssteg und wir genießen den Sonnenuntergang.

Zehnter Tag: Wir radeln wieder ein Stück und nehmen uns diesmal einen Luxuscampingplatz in Feddet. Der Eingang ist voller Wohnwagen und wir sind im Zweifel ob wir hier bleiben wollen. Nach kurzer Besichtigung der Zeltplätze passt aber alles wieder, wir campen direkt am Strand und fast alleine. 

Elfter Tag: Die Waschmaschine und die Trockner laufen heiß und wir sortieren uns neu. Wir verbringen einen Tag auf dem Camping Platz, eigentlich urfad. Trotzdem,  es gibt Duschen, eine Küche und jeder macht das was er will.

Zwölfter Tag; Es ist geschafft, nach ein paar Kilometern sind wir in Faxe Ladeplads und finden dort noch am Vormittag wieder einen perfekten Naturlagerplatz. Wir besuchen das Geomuseum in Faxe. Kaufen dicke Steaks ein und freuen uns aufs Grillen und Schlemmen. Unsere Kinder besetzten die Dächer der Schutzhütten und liefern sich eine ordentliche Holzschlacht, alles ist in bester Ordnung.

Dreizehnter Tag: Wir könnten zwar noch weiter bis Kopenhagen radeln, nehmen aber den Zug, der von Faxe Ladeplads stündlich in die Stadt fährt. In Kopenhagen satteln wir dann zum letzten Mal unserer Räder und radeln quer durch die ganze Stadt zur Jugendherberge. Unsere Kinder staunen: hier ist alles für Radfahrer ausgelegt und nicht für Autos. Kurzum ist Kopenhagen in „Fahrradstadt“ umgetauft worden.

Vierzehnter Tag: Sightseeing in Kopenhagen

Fünfzehnter Tag: unser Zug geht um 17 Uhr. Kurz noch Zeit um die Räder nach Hause zu schicken und ein paar Sehenswürdigkeiten in der Innenstadt abzuklappern. Falsch gedacht. Warum sollte abreisen plötzlich einfacher werden als anreisen. Uns erwarteten 3 entspannte Stunden mit den penibel verpackten Rädern auf der Post, ein überfüllter Zug nach Deutschland und Schienenersatzverkehr in Österreich.

Sechzehnter Tag: Zurück in Wien. Jetzt brauche ich erst mal Urlaub!

 

Seitenanfang

 

 

 Anlaufstellen:

Infos zum Radweg Berlin Kopenhagen: http://www.bike-berlin-copenhagen.com/

Infos zu den Naturlagerplätzen: http://www.teltpladser.dk/brugere.htm

Fähre: http://www.scandlines.dk

Karten: Am besten man bestellt direkt in Dänemark die Broschüre Overnatning i det fri. Da ist eine wirklich gute Karte mit dabei und man braucht sonst keine weiteren Karten zu kaufen. In der Broschüre sind auch alle Naturlagerplätze aufgeführt.

 

Seitenanfang

© Januar 2006 Frank Kern, Exped, Wien.
Layout und Umsetzung: Stefan Germershausen